Editorial
Vincent Abbrederis
Geschäftsleiter Kultur und Verwaltung
"WUK 30 Jahre - Bist du deppert!" - so lautete einer der vielen Vorschläge für unseren Geburtstagsslogan. Flapsig wollten wir damit unserem eigenen Erstaunen Ausdruck verleihen, dass es das WUK noch immer gibt. Ist ja gar nicht so selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie rigoros mancherorts im kulturellen Sektor gespart und gestrichen wird. "Trau keinem über 30!" - mit dieser Aufforderung dachten wir, augenzwinkernd auf das Motto der 68er Generation anzuspielen. Aber kann unser junges Publikum damit noch etwas anfangen?
Schließlich haben wir uns für "WUK 30 - und es wächst" entschieden. Und das aus guten Gründen wie wir meinen:
Die Menschen im WUK werden nicht müde, an ihren Ideen, Projekten und Überzeugungen zu arbeiten. Vieles gelingt, nicht alles. Aber wir wachsen auch an Rückschlägen und Fehlern.
Die künstlerischen Ansprüche sind gestiegen und die BesucherInnenzahlen wachsen stetig. Wir haben das Angebot verdichtet und die Abläufe professionalisiert. Heute ist das WUK ein Dach für 130 Gruppen, pulsierender Veranstaltungsort für 200.000 Menschen im Jahr und kann an allen Tagen des Jahres besucht werden. Das Programm der Geburtstagswoche spiegelt diese Vielfältigkeit sehr gut wider und bietet einen Einblick in die mannigfaltigen künstlerischen und soziokulturellen Aktivitäten des WUK.
Das WUK ist über den 9. Bezirk hinausgewachsen und mittlerweile an weiteren neun Standorten in Wien und Niederösterreich mit Projekten aktiv.
Als lebendiger Ort für Experiment, Innovation und Partizipation ist das WUK für alle offen. Das ist uns ein ganz besonderes Anliegen und darum haben wir - ohne zusätzliche öffentliche Hilfe - erste Schritte zu einem barrierefreien WUK gesetzt. Ein neu gepflasterter Hof ohne Stolperfallen und ein ebenerdiges Servicecenter sind der Beginn. Damit das 160 Jahre alte, denkmalgeschützte Gebäude auch in Zukunft lebenswerter Freiraum für alle sein kann, braucht es dringend öffentliche Unterstützung bei der Sanierung.
Mit 30 Jahren noch weiterwachsen - das will auch unser Veitschi (= Wilder Wein) im Innenhof. Er ist Nistplatz für zahlreiche Vögel, Insekten und Fledermäuse und verbessert das Klima. Überlegungen der Gebäudeverwaltung, diesen hängenden Garten von über 2000 m2 zu roden, sind daher schon aus ökologischen und städteplanerischen Gründen unsinnig und werden von uns vehement abgelehnt.
Der Wilde Wein und das WUK gehören zusammen. Wir sind unverzichtbarer Lebensraum in der Stadt. Wir wollen wachsen!