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"Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand."

Posted @ 01.07.2017 11:00 By Ursula Winterauer

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(c) snapvienna.at

"Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand."[1]

Text von Stefanie Gunzy

1955 beschloss der Deutsche Fußballbund (DFB), wie vorhin zitiert, ein offizielles Verbot gegen kickende Frauen*. Dieses wurde zwar 1970 wieder aufgehoben, aber die Siegesprämie des deutschen Frauen*fußball Nationalteams bei der Heim-EM 1989 war tatsächlich noch je ein 40-teiliges Kaffeeservice des Verbandssponsors.

 

„They pushed, shoved kicked, and frolicked mith as much reckless abandon as their fathers, brothers, husbands, and sons; and they seem to have suffered as many broken bones and cracked crowns as the men did.“[2]

Als ein in Frankreich und England betriebener vormoderner Fußball galt, betrieben ab dem 12. Jahrhundert, „Folk-Football“. Im Rahmen dieses als roh und brutal geltenden Volkssports betrieben durch Unterschichten, ohne Schiedsrichter*in und Regeln wurde versucht, eine luftgefüllte Tierblase ins gegnerische Tor zu befördern. Die Teilhabe an diesem Freizeitvergnügen war eine Frage des Standes, der lokalen Zugehörigkeit und des Familienstandes. Mixed Teams traten ebenso gegeneinander an wie Frauen*- gegen Männer*teams und verheiratete Frauen* gegen Unverheiratete.

 

„Mittlerweile ist es jetzt auch keine Besonderheit mehr für die Mädchen gemeinsam mit den Burschen unseres Männerteams in einem Mixed-Team bei Turnieren teil zu nehmen“[3]

Das integrative Wiener Fußballprojekt „Kicken ohne Grenzen“ bietet jungen Menschen mit Fluchterfahrung die Möglichkeit ohne Leistungsdruck und Voraussetzungen in 3 Männer*- und einem Frauen*team Fußball zu spielen. Am 9. Juli 2017 gewann die Initiative im Parlament den Frauen-Integrations-Award.

 

Männer spielen Fußball und Frauen Frauenfußball.

Im Rahmen von Überlegungen zum Schreiben eines Textes über Frauen*fußball stolpert mensch zu Beginn sehr schnell über ein sprachliches Phänomen. Bei genauerer Betrachtung muss nämlich festgestellt werden, dass sowohl in den Medien als auch in wissenschaftlicher Literatur von „Fußball“ die Rede ist, wenn Männer* ihn betreiben und von Frauen*fußball, wenn Frauen* ihn betreiben.

Zugegebenermaßen zieht die Diskrimierung thematisieren wollende, sprachliche Präzisierung in Männer*fußball und Frauen*fußball eine weitere Diskrimierung nach sich. Wie können wir auf der Ebene einer Kritik an der heteronormativen Ordnung, die sich auch in der Trennung und unterschiedlichen Wahrnehmung wie Bewertung der Geschlechter im Fußball darstellt, dann doch wieder die Kategorien Mann/Frau fortschreiben? Möglicherweise geht es darum, im Rahmen der Repräsentation der Dichotomie gleichzeitig, zweifelsfrei existierende, gesellschaftliche Differenzen und Hierarchien zu thematisieren und zu kritisieren. Dabei hilft das im Text verwendete Sternchen*, nicht nur sich als weiblich oder männlich definierende Fußballspielende abzubilden, sondern auch solche, die sich selbst außerhalb der Zweigeschlechtlichkeit verorten.

 

In Zeiten des Kriegs müssen Frauen* die Lohnarbeit der im Krieg kämpfenden Männer* übernehmen. So kam es, dass Arbeiterinnen* einer Munitionsfabrik in Preston 1917 die „Dick, Kerr´s Ladies“ gründeten. Gegen die „St. Helen Ladies“ in Everton kamen rund 50000 Zuschauer*innen ins Stadion, 14000 mussten davor warten.



„Der Montag mit dem Sportmontag“ Dezember 1923

Der Erste Wiener Frauen*fußballklub Diana richtete einen  Aufruf an interessierte Frauen* für ein erstes Fußballtraining. Die 60 Interessentinnen* - Beamtinnen*, Sekretärinnen* und Hausfrauen* - mussten sich einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. 43 von ihnen durften nach einem zweiwöchigen Theoriekurs schließlich ihr erstes Training auf dem Rudolfshügel-Platz in Wien 10 bestreiten. Mitte der 20er Jahre verschwand der DFC Diana aus der öffentlichen Berichterstattung und der Frauen*fußball feierte erst Mitte der 1930er Jahre sein Comeback. 1935 gründete sich die Damen Fußballunion (DFU), aus der eine Gründungswelle an Frauen*fußballvereinen resultierte.

 

„Sie sollten die Weichen dafür stellen, dass auch Frauen künftig in die Stadien kommen können.“
Diese Forderung formulierte der Kapitän der iranischen Nationalelf Massud Schodschaei gegenüber Präsident Hassan Rouhan. Seit der islamischen Revolution 1979 ist es Frauen* im Iran verboten ein Fußballspiel im Stadion zu sehen. Der Panionios-Athen-Legionär war der erste iranische Fußballer, der sich öffentlich für die Aufhebung des Stadionverbots aussprach.


„Man muss es den Burschen zeigen, dass Mädchen das auch können“[4]

Lara Felix, ab der Saison 2017/18 mit der Rückennummer 13 für die aktuellen Bundesliga-Meisterinnen* SKN St. Pölten auflaufend, schoss 2016 im Bundesfinale für Schulfußball in den Finalspielen der Mädchen- sowie der Burschen für das BRG 22 Polgarstrasse jeweils den Siegestreffer. Bei den Burschen* war sie das erste Mädchen* in der Geschichte.

 

Stefanie Gunzy ist queer-feministische Kulturarbeiterin und Fußballenthusiastin mit universitärem Bildungshintergrund, geboren und aufgewachsen in Österreich.



[1]Deutscher Fußballbund (DFB)

[2]Guttmann, Allen (1991): Women´s Sports. A History. New York, Columbia University Press.

[3]Karina Lackner (Initiatorin)

[4]Lara Felix

 

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