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Imbiss-Aufmerksamkeit. Attwenger im Interview

Posted @ 23.02.2015 12:22 By Hanna Sohm

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Bild zeigt Attwenger

Attwenger! Kaum jemand wird diesen Namen nicht schon einmal gehört haben. Kein Fixstern, sondern ein Fixplanet im österreichischen Musikuniversum. Seit mindestens 25 Jahren machen das Duo Markus Binder und HP Falkner gemeinsam Musik, und sie waren auch oft schon im WUK. Hätten wir in unserem Hof einen Walk of Fame, so wäre Attwenger, um es mit der obigen Analogie konsequent fortzuführen, der erste Planet. Am 14. März präsentieren Attwenger ihr achtes Album „Spot“. Im Interview erklärt Markus Binder, welche Spuren 25 Jahre Musik in Österreich hinterlassen können. (de)

Attwenger ist seit 25 Jahren aktiv. Was hat sich in der österreichischen Musikszene in den letzten 25 Jahren verändert, was ist gleichgeblieben?

Neulich, und diese Aussage kommt auch schon seit ein paar Jahren daher, hat ein Veranstalter auf die Frage, wie es denn so läuft, geantwortet: „Das Niveau sinkt!“. Diese Meinung teile ich nicht.

Es ist nach wie vor so, dass in Österreich immer wieder höchst interessante Bands und MusikerInnen auftauchen, und das regelmäßig. Dass die Musikszene mittlerweile jedoch weniger ein Trägermedium für politisch aufgeladene und gesellschaftlich relevante Thematiken ist, sondern sich eher in Richtung Selbstbedienungsbilligsupermarkt entwickelt, das ist, wenn auch international üblich, einfach nur hauptsächlich langweilig.

Auf dem neuen Album „Spot“ wird der Fokus auf die kurze Form gerichtet – 23 Songs in 40 Minuten. Unsere Aufmerksamkeitsspanne wird täglich durch Facebook, Twitter und BuffFeed Click-Bait Schlagzeilen nachweislich vermindert und korrodiert. Ist „Spot“ eure Antwort darauf?

Ich habe in einer Studie gelesen, dass die durchschnittliche Verweildauer beim mp3-Hören von Musik bei 14 Sekunden pro Song liegt. Da sind die Spot-Songs mit 2:40 Minuten vergleichsweise ja noch ganz schön lang, obwohl auch tatsächlich einige Songs mit einer Länge von um die 20 Sekunden auf diesem Album drauf sind. Aber die klarste Antwort auf das Phänomen der verkürzten Wahrnehmung haben wir ja schon 1997 mit unserem Album „Song“ gegeben, wo wir für drei Stücke 45 Minuten gebraucht haben.

Nachdem es sich hier ja um nichts anderes als Zeit handelt und diese bekanntlich ein äußerst relatives Medium ist, würde ich sagen: Die Qualität von Musik hat natürlich nichts damit zu tun, wie lange sie dauert.

Zu einem tatsächlich gravierenden Problem wird die Imbiss-Aufmerksamkeit allerdings im Bereich der politischen Information: Wenn nur mehr die Schlagzeilen übrigbleiben und kein Anlass mehr gesehen wird, hintergründige Informationen zu vermitteln bzw. sich diese zu beschaffen, dann setzt sich der Fatalismus des Mainstreams durch.

Welche Erinnerungen habt ihr an eure WUK Auftritte? Habt ihr etwas besonders für den 14. März geplant?


Im WUK sind wir schon seit 100 Jahren immer wieder aufgetaucht. 1989 war ich in der Kunsthalle Exnergasse an einer Ausstellung der Linzer Stadtwerkstatt beteiligt, bei der ein riesiger Pflug den Galerieboden aufgerissen hat und als Kunstobjekt eine Zeit lang dort stehen blieb. Ein Bild dieser Aktion kam 1992 auf das Cover des Attwenger-Albums „Pflug“.

Und Attwenger-Konzerte gab es im Lauf der Jahre auch immer (Wir zählen sieben, Gastauftritte nicht mitgerechnet; Anm.). Und die waren immer sehr super. Beim Konzert am 14. März werden wir ein neues Programm spielen. Den Schwerpunkt bilden Stücke des neuen Albums „Spot“, ergänzt von Juwelen aus vorherigen Alben.

Oder wie die Regenbogenpresse vielleicht sagen würde: Ein Blumenstrauß an tollen Melodien, ein Feuerwerk an heißen Rhythmen und eine Lawine an funky Lyrics. Wir freuen uns!

Attwenger
> Sa 14.3., 20 Uhr, Saal

www.attwenger.at

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Tags: Attwenger
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